Brandenburg wächst durch Zuzug

Veröffentlicht am 11.08.2026 in Landespolitik

Mit dem Zuzug von Flüchtlingen verändern sich nicht nur Stadtteile in Großstädten, auch Bundesländer wie Brandenburg – mit Folgen für Schüler und Schulen, Arbeit und Arbeitsplätze sowie die (gefühlte) Sicherheit. Der „Zuwanderungs- und Integrationsbericht 2025“ (veröffentlicht Juli 2026) zeigt eine stark veränderte Bevölkerungsstruktur im ansonsten alternden Brandenburg. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Ausländer im Land mehr als verdreifacht: von 67.589 im Jahr 2014 auf 211.470 Personen im Jahr 2024. Bei rund 2,55 Mio. Einwohnern im Jahre 2025. Ein Überblick!

Wie üblich konzentriert sich die Zuwanderung stark auf die großen Städte. In Frankfurt (Oder) liegt der Ausländeranteil bereits bei 16,7 Prozent, in Cottbus bei 12,6 Prozent. Berlin 22,5 Prozent bei 3,7 Mio. Einwohner.

Ein Blick auf die Menschen mit Migrationshintergrund im Vergleich: Rund zwölf Prozent der Bevölkerung Brandenburgs gegenüber 30,4 Prozent der gesamten Bevölkerung Deutschlands mit einen eigenen oder familiären Migrationshintergrund (gemeint sind die Großeltern). In Brandenburg halten sich die meisten erst seit weniger als fünf Jahren im Land auf. Damit sind sie auch deutlich jünger.

Zum Vergleich: Berlin Durchschnittsalter aller Einwohner 42,7 Jahre. Brandenburg 47,7 Jahre.

Mit der Weltlage ändern sich auch die Herkunft der Zuwanderer. Suchten in den 90er und Anfang 2000er Jahre vor allem EU-Bürger darunter viele Polen Arbeit in der Mark, stiegen die Zahlen bei Asylbewerbern aus Syrien und Afghanistan nach 2014 drastisch. Der arabische Frühling hatte sein jähes Ende gefunden.

Der Bericht verweist zugleich auf deutliche Unterschiede bei Bildung und beruflicher Qualifikation. So haben in Brandenburg unter Einheimischen nur zwei Prozent keinen Schulabschluss. Bei Menschen mit Migrationshintergrund liegt dieser Anteil mit 14,5 Prozent. Noch größer ist die Lücke bei der beruflichen Bildung: 34,3 Prozent der Migranten haben keinen berufsqualifizierenden Abschluss, bei Einheimischen sind es 10,9 Prozent.

Doch Vorsicht bei voreiligen Schlüssen: Handwerker lernen in ihren Heimatländern bei ihrem Lehrherren. Einen (staatlichen) Abschluss gibt es nicht. Etliche Abschlüsse z.B. im Gesundheitsdienst werden von deutschen Stellen nur zögerlich anerkannt. Das bekamen in der Anfangsphase besonders Ärzte, Apotheker und andere Akademiker zu spüren (Die sollen erst mal lernen Latrinen zu putzen). Minderjährige Flüchtlinge haben schon altersbedingt häufig kein Abschlusszeugnis.

Ungleichheit an Schulen

Auch an den Brandenburger Schulen spiegelt sich die Entwicklung. Der Anteil zugewanderter Schüler an Oberschulen ist auf 12,9 Prozent gestiegen, an Gymnasien liegt er mit 5,4 Prozent deutlich niedriger. Noch!

Übrigens: Mehr als die Hälfte der Eltern ohne Migrationshintergrund, nämlich 52,6 Prozent, gab an, ihr Kind eher nicht oder auf keinen Fall an einer Schule mit hohem Migrantenanteil anmelden zu wollen.

Schwere Arbeit und niedrigen Löhne

Auf dem Arbeitsmarkt wächst die Bedeutung ausländischer Beschäftigter. Inzwischen stellen ausländische Staatsangehörige 11,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg. Besonders hoch ist ihr Anteil in der Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeiter) mit 66,2 Prozent. Es folgen das Gastgewerbe mit 30 Prozent sowie Verkehr und Lager mit 24,7 Prozent. Auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind zunehmend auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Damit arbeiten Zuwanderer überdurchschnittlich stark in Branchen mit vergleichsweise niedrigen Löhnen (Mindestlohn?) und schwerer körperlicher Arbeit.

Aufstieg bleibt schwer

Trotz steigender Beschäftigungsquoten arbeiten jedoch rund 45 Prozent der ausländischen Vollzeitbeschäftigten im unteren Lohnsektor. Wo wir wieder bei den Berufsabschlüssen sind; Qualifikationen werden nicht anerkannt oder Sprachbarrieren erschweren den Zugang zu besser bezahlten Tätigkeiten. Mit solchen „Hürden“ kommen Länder wie Spanien deutlich besser zurecht. Hier gilt: Einarbeiten und mit der Sprache wird das schon (Learning by doing)!

Vorsicht bei Pauschalurteilen

Das große Reizthema ist und bleibt natürlich das Thema „Migration und Verbrechen“. Meist um die Forderung „Kriminelle abschieben“ zu untermauern. Das Thema Sicherheit ist und bleibt das große Konfliktfeld. Dabei geht es auch um gefühlte und tatsächliche Bedrohung. Laut Polizeilichen Kriminalstatistik sind nichtdeutsche Tatverdächtige gemessen an der Gesamtbevölkerung in Brandenburg überrepräsentiert. Ihr Anteil an allen Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) liegt bei 25,3 Prozent. Bei Jüngeren ist das Gewaltpotential (auch untereinander) höher - eine Schlägerei im Asylheim, landet schneller vor Gericht, als eine Prügelei in der Dorfkneipe. Dafür flossen auch kriminelle Handlungen von Ausländern, die nicht in Deutschland leben, auf den Transitstrecken in die Kriminalitäts-Statistik. Pauschalurteile greifen erfahrungsgemäß zu kurz! (gu)

 
 

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