Gemeinsame Rahmen-/Lehrpläne für die Grundschule

Veröffentlicht am 23.06.2004 in Bildung

Erstmals entwickelten vier Länder gemeinsame
Rahmen-/Lehrpläne für die Grundschule

Die neuen curricularen Vorgaben wurden heute feierlich an die Minister und Senatoren übergeben Potsdam, Bremen, Schwerin, Berlin

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurden über die Grenzen von Bundesländern hinweg Rahmen-/Lehrpläne mit den entsprechenden Standards gemeinsam entwickelt. Die Länder Berlin, Brandenburg, Bremen und Mecklenburg- Vorpommern versuchen damit, einheitliche Bildungsanforderungen der Bundesländer an die Grundschule zu formulieren und die Bildungsqualität dieser Schulform zu sichern.

Die neuen Pläne wurden heute von den erarbeiteten Kommissionen an Herrn Senator Böger aus Berlin, Herrn Minister Prof. Dr. Dr. Metelmann aus Mecklenburg-Vorpommern und Herrn Minister Reiche aus dem Land Brandenburg feierlich in der gemeinsamen Landesvertretung der Länder Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern in Berlin übergeben.
„Die gemeinsamen neuen Pläne zeigen, dass die beteiligten Länder einen deutlichen Schwerpunkt in der Stärkung der Grundschulen legen“, so die Senatoren und Bildungsminister aus den beteiligten Ländern. „Die richtungsweisenden Pläne sind eine wichtige Antwort auf das zum großen Teil nicht befriedigende Abschneiden bei internationalen Schulvergleichsuntersuchungen. Die neuen Pläne beschreiben Standards in allen Fächern. Damit gehen wir sogar über die Beschlüsse der Kultusminister- Konferenz hinaus, da die KMK die Bildungsstandards in der Grundschule zurzeit nur für die Fächer Mathematik und Deutsch formuliert. Wir nehmen mit den gemeinsamen Plänen aber auch die berechtigte Kritik auf, dass in den deutschen Bundesländern mehr als 2.000 Lehrpläne existieren, die das Umziehen von Bundesland zu Bundesland erschweren und die Gefahr der Ungleichheit bei der Bildungsteilhabe fördern. Wir sind mit gutem Beispiel vorangegangen und zeigen, dass man bei gutem Willen Bürokratie abbauen und die Interessen der Bürger umsetzen kann.“
Insgesamt liegen neun gemeinsame Pläne für die Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Kunst, Musik, Sport, Geografie, Politische Bildung und Geschichte vor. Der Vergleich mit ihren Vorläufern zeigt grundlegende Neuerungen. Die neuen Pläne zeichnen sich durch ein gemeinsames pädagogisches Rahmenkonzept für alle Fächer – höhere Verbindlichkeit der Vorgaben, einheitliche Struktur und nutzerfreundliche Gestaltung – aus. So wird es im Rahmenkonzept im Kapitel 1 als Aufgabe der Grundschule gesehen, die Persönlichkeit zu stärken, Anschlussfähigkeit und lebenslanges Lernen zu unterstützen und Schülerinnen und Schüler auf Mitbestimmung und Teilhabe in der Gesellschaft vorzubereiten.
Um dieses grundlegende Bildungsverständnis realisieren zu können, zielen die Rahmenlehrpläne auf Kompetenzen, d. h. auf Qualitäten, die beschreiben, wie Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, auf Anforderungen zu reagieren. Der Erwerb von Sachkompetenz, Methodenkompetenz, personaler und sozialer Kompetenz als komplexes und nicht trennbares Anliegen zieht sich durch alle Pläne und ist Richtgröße für Lernziele, Unterrichtsinhalte, Unterrichtsgestaltung bis hin zu Leistungsermittlung und Leistungsbewertung. Auf den Erwerb von Lernstrategien und Fähigkeiten im sozialen Umgang wird ein starkes Augenmerk gelegt.
Das, was im Verlaufe der Grundschulzeit zu erreichen ist, wird unter den Standards ausgewiesen. Die Standards beschreiben die Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende ihrer Grundschulzeit erworben haben sollen. Sie beschreiben damit einen Bildungsanspruch an die Grundschule, denn diese ist verpflichtet, die Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass sie diese Kompetenzen erreichen können. Verbunden damit ist die Erwartung, dass alle Lehrerinnen und Lehrer sie zur Richtschnur ihres pädagogischen Handelns machen. Verbindliche Inhalte sind für 60 % der verfügbaren Unterrichtszeit ausgewiesen.
So wurden Freiräume für das Festigen oder das Aufnehmen regionaler, aktueller bzw. die Schülerinnen und Schüler besonders interessierender Themen eröffnet.
Die Zusammenarbeit von vier Bundesländern stand nicht nur auf dem Papier, sondern war tägliche Praxis – die entscheidende Voraussetzung für das Gelingen des Projektes. Die Entwürfe der länderübergreifenden curricularen Vorgaben für die Grundschule wurden in paritätisch besetzten Arbeitsgruppen unter Federführung des Landesinstituts für Schule und Medien Brandenburg entwickelt.
Mit dem gemeinsamen Projekt soll eine höhere Vergleichbarkeit von Bildungsangeboten in den unterschiedlichen Bundesländern gesichert werden.
Darüber hinaus zielt das länderübergreifende Projekt auch auf eine höhere Akzeptanz bei Eltern und Lehrkräften und auf ein breiteres Angebot von Unterrichtsmaterialien, die an diese Rahmenlehrpläne angepasst sind.
Die Pläne gehen derzeit an die Schulen und werden zum Schuljahr 2004/2005 eingeführt.
Die Pläne sind einsehbar unter:
www.lisum.brandenburg.de

 
 

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