Seit einigen Tagen wird auch in Deutschland heftig darüber debattiert. Kindern sollte der Zugang zu Internet-Spielwiesen wie TikTok, Instagram, Snapchat & Co. verweigert werden. Die Begründung auf einen kurzen Nenner gebracht und der Stand der Dinge (gu)
Warum sind Social Media Plattformen gefährlich?
Social-Media-Plattformen* seien für Kinder schädlich. Sie können die psychische Gesundheit durch Suchtpotenzial, Körperbildstörungen und Cybermobbing gefährden. Es geht auch um die um übermäßige Nutzung. Die Folge seien Schlafstörungen, Bewegungsmangel und Konzentrationsprobleme. Zudem gefährden unkontrollierte Inhalte (Gewalt/Pornografie) sowie der Kontakt zu Fremden (Grooming) die kindliche Entwicklung. Die Plattformen sind darauf angelegt, so Fachleute, süchtig zu machen. Den Plattformen fällt es deshalb leicht, Vorlieben herauszufiltern (Ja, das geschieht mit Hilfe von Algorithmen - Programmzeilen). Der zielgerichteten Werbung sei damit Tür und Tor geöffnet.
*Im deutschen Sprachraum führt der Begriff tatsächlich zu Missverständnissen. „Social“ ist aus dem Amerikanischen mit „Gemeinsam“ zu übersetzen. Mit dem Verständnis für „Soziales“ , also verantwortungsvoll hat das nichts zu tun. Zu den Social-Media-Plattformen gehören: Facebook, Instagram, TikTok, YouTube, WhatsApp, X (Twitter), LinkedIn und Snapchat, aber auch Nischen-Anbieter wie Pinterest, Twitch oder Reddit. Die Social Media-Anbieter leben von Werbung und unterscheiden sich nach Zielgruppen und dienen (registrierten) Teilnehmern das Teilen von Inhalten an, nach Schwerpunkten Text, Bild und/ oder Video.
Den Anfang machte Down Under
Der fünfte Kontinent hat deshalb die Konsequenzen gezogen: Seit dem 10. Dezember 2025 dürfen Australiens Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auf vielen großen Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat keine eigenen Konten mehr besitzen.
Dänemark plant seit Ende 2025 ebenfalls ein strenges Verbot von sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren, um sie vor Online-Risiken zu schützen. Dänische Parlamentarier einigten sich über die Parteien hinweg, Plattformen erst ab 15 Jahren zugänglich zu machen. Eltern können für Kinder ab 13 Jahren allerdings Ausnahmen erlauben. Das Gesetz soll 2026 in Kraft treten. Großbritannien, Frankreich wollen dem Vorbild Australiens folgen. Die spanische Regierung will prüfen lassen, ob die Social-Media-Plattformen X, Meta und Tiktok durch ihre Anwendungen künstlicher Intelligenz möglicherweise Straftaten im Zusammenhang mit der Darstellung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche begehen.
Politik wird wach
Abgeordnete aus Bund und Ländern von SPD und Union votieren deshalb ebenfalls für Zugangsbeschränkungen von Tik-Tok & Co. Führende SPD-Politiker aus Partei, Ländern und Bundestagsfraktion haben in einem Papier ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren und ein abgestuftes Verfahren für verschiedene Altersgruppen vorgeschlagen. "Wir kommen an klaren Regeln und Einschränkungen, wie sie der SPD-Vorschlag unterbreitet, nicht mehr vorbei", sagte SPD-Chef Lars Klingbeil dem Spiegel.
Ein Verbot steht bereits im Raum
Bleiben die Erziehungsberechtigten. Bei den Eltern liegt letztendlich die Verantwortung, wie sich ihre Schützlinge in den Plattformen „herumtreiben“ und wie lange. Der Staat kann allerdings gegen Suchtgefahr, gefährdende Inhalte oder kriminelle Umtriebe vorgehen. Wo wir u.a. bei der Medienaufsicht wären, die in Deutschland übrigens Ländersache ist. Der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Thorsten Schmiege, hatte in der Debatte über jugendgefährdende Inhalte Social-Media-Anbietern bereits mit einem Verbot gedroht.