Der Berliner Flughafen (BER) feiert heute seinen fünften Jahrestag der Eröffnung. Gratulation! Seit dem 31. Oktober 2020 starten und landen regulär Maschinen auf den beiden „Runways“. Damit ging eine teilweise schwer erträgliche Serie von Planungs- und Baufehlern und Querelen zwischen Management, Baufirmen und Politik zu Ende. Im kollektiven Gedächtnis wird wohl immer die verkehrt herum eingebaute Entrauchungsanlage im Terminal bleiben, die im Falle eines Brandes ihren Dienst tun sollte. Sollte! Ein Überblick..
Häme ist jedoch nicht angesagt. Besonders aus einem süddeutschen Freistaat, der heute sehr stolz auf seinen Münchner Flughafen ist. Doch vergleichen wir einmal die Bau- und Eröffnungsdaten die beiden Flughäfen Flughafen München (MUC) und Flughafen Berlin‑Brandenburg (BER):
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Aspekt
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München (MUC)
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Berlin-Brandenburg (BER)
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Früheste Planung
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Standortbeschluss 1969
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Planungsbeginn 1992
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Planfeststellung
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– (ältere Rechtslage; zentral waren VGH/BVerwG-Entscheide in 1981/85)
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13.08.2004 Planfeststellungsbeschluss
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Baubeginn
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03.11.1980
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05.09.2006
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Bauunterbrechung
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04/1981–12/1985 (gerichtlicher Baustopp)
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2005 vorläufiger Baustopp (vor Baubeginn); später zahlreiche Umbauten/Stillstände
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Eröffnung
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17.05.1992
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31.10.2020
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Brutto-Bauzeit bis Eröffnung
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~11,5 Jahre (mit rund 4 Jahren Unterbrechung)
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~14 Jahre
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Gesamtprojekt: Start → Eröffnung
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1969–1992 (22 J. 9 M.)
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1992–2020 (28 J. 10 M.)
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(recherchiert mit Hilfe von ChatGPT)
Die Flughafengesellschaft BER stellt stolz fest: Sie betreibt mit den drittgrößten in Deutschland; gemessen an den ankommenden und abfliegenden Passagieren (ohne Umsteiger) sogar den größten. Seit der Eröffnung Flughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ am 31. Oktober 2020 kamen 100 Millionen Fluggäste zum BER, im vergangenen Jahr waren es 25,5 Millionen. Mehr als 800.000 Flugzeuge am BER starteten und landeten. Verladen wurden rund 50 Millionen Gepäckstücke und 200.000 Tonnen Fracht. Die Flughäfen von Frankfurt und München sind deutlich größer, gehören allerdings zu den internationalen Drehkreuzen in Deutschland und melden deshalb höhere Fahrgastzahlen.
Mit Spott müssen sie klarkommen
Zu den Ruhmestaten deutscher Planungs- und Baukunst gehören MUC und BER nicht. Das müssen wir zu Kenntnis nehmen. Der Flughafen Franz-Josef Strauß musste übrigens jahrelang mit dem Spott leben, dass er am besten aus der Luft erreichbar sei. Der S-Bahn-Anschluss war in der Tat lächerlich (Ein Zug im 20 Minuten-Rhythmus), die Zufahrt über die BAB Nürnberg ein Dauerstau.
Der BER floriert, schreibt im nächsten Jahr (2026) übrigens erstmals Schwarze Zahlen, so die Ansage des Managements. Aletta von Massenbach, Vorsitzende der Geschäftsführung: „Der BER erwirtschaftet seit 2022 operativen Gewinn und ist auf gutem Weg in die finanzielle Selbständigkeit“. Der Schuldenberg aus den Jahren der Bauzeit und der Corona-Pause solle also langsam abgebaut werden.
Ein boomender Wirtschaftsfaktor ist BER für die Metropole und die Region ohnehin schon. Mehr als 20.000 Menschen sind heute rund um den BER beschäftigt, etwa 2.000 davon Mitarbeiter der Flughafengesellschaft. Reden wir unseren BER also nicht immer schlecht. (gu)