Brandenburg schrumpft wieder

Veröffentlicht am 21.08.2026 in Landespolitik

Am Jahresende 2025 lebten 2.551.889 Menschen in Brandenburg. Das waren 4858 weniger als ein Jahr zuvor – der erste Rückgang seit dem Jahr 2013. Ein Land im Umbruch: Nach Brandenburg zogen 2025 deutlich mehr Menschen, als das Land verließen: Der Wanderungsgewinn lag bei 16.626 Personen. Allerdings wurde er durch einen Sterbeüberschuss von 21.248 – den höchsten seit der Wiedervereinigung - aufgehoben. 35.743 Sterbefälle standen 14.495 Geburten gegenüber (Minus 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Viele Zahlen aus der Statistik. Doch wie sieht die Zukunft aus? (Zusammengetragen und mehrfach ergänzt von Hajo Guhl)

Das Land verliert also nicht, nur weil es unattraktiv ist. Der Wegzug nach der Wende hat eine deutliche Lücke gerissen. Jetzt stirbt eine Generation, die in den Neunziger Jahren keine Kinder mehr bekommen hat. Der Zuzug von heute kann diese Lücke rechnerisch nicht mehr schließen.

Dieser Zuzug ist regional sehr ungleich verteilt. Das direkte Berliner Umland wuchs sogar um 2363 Menschen auf 1.043.189. Das ferne Umland -genannt weiterer Metropolraum – verlor im selben Jahr 7221 Einwohner. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg und das Landesamt für Bauen Verkehr legten im September 2025 ihre Bevölkerungsvorausberechnung bis 2040 vor. Für das Land insgesamt sagt sie ein leichtes Plus auf 2,57 Millionen Menschen voraus. Allerdings fehlen die Jüngeren. Für neun Gemeinden im Berliner Umland ergibt sich bei der Bevölkerung im Seniorenalter langfristig ein Zuwachs von über 50 Prozent.

Zur Erinnerung; Mehr als die Hälfte jener, die seit der Wende Ostdeutschland verlassen haben, war zum Zeitpunkt ihres Umzugs unter 25 Jahre alt. Der Anteil junger Menschen zwischen 18 und 34 Jahren ist im Osten deutlich geringer als im Westen. In Brandenburg machen sie in fast allen Landkreisen nur zehn bis 14 Prozent der Bevölkerung aus. Ausnahmen sind die Städte Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel. In Berlin ist der Anteil junger Menschen fast doppelt so hoch (Durchschnittsalter Berlin: 42,8 Jahre, Brandenburg; 47,7 Jahre).

Landflucht in Europa
Das Ausbluten des ländlichen Raumes ist übrigens kein Ostdeutsches oder gar Brandenburger Phänomen: Süditalien erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg einen Fortzug der Jungen ohnegleichen. Ganze Dörfer sind noch heute Geisterorte. Griechenland, Frankreich, Spanien folgten. Der Grund: Bittere Not, Arbeitslosigkeit und Langeweile (sprich mangelnde Perspektiven).

In der Alterspyramide von Deutschland verschwinden jetzt die Lücken, die allein der zweite Weltkrieg (männliche Jahrgänge 1917-24 plus insgesamt sechs Millionen Toten) gerissen hat. Gleichzeitig schrumpften seit den Sechziger Jahren die Familien zur Ein-Kind-Ehe. Der Pillen-Knick lässt grüßen. Was bei den sinkenden Geburtenraten nicht zu unterschätzen ist: Die werdenden Mütter werden immer älter (heute 31,9 Jahre). Im Jahre 1960 lag das Durchschnittsalter von Erstgebärenden (Ost und West) bei knapp 28 Jahren. Die Folge heute: Der Nachwuchs fehlt! Wie in den meisten westlichen Industrieländern.

Zu wenig Kinder

Die Jüngeren Brandenburger sind knapp geworden. Die 15- bis 24-Jährigen machten Ende 2025 gerade einmal 8,8 Prozent der Einwohner aus. Brandenburg ist damit das Schlusslicht in der bundesweiten Statistik. Auch die anderen ostdeutschen Bundesländer liegen hinten, mit Ausnahme von Sachsen.
Deutschlandweit gehört jeder Zehnte zur Gruppe der 15- bis 24-Jährigen – auch ein historisch niedriges Niveau. Berlin liegt mit 10,2 Prozent auf Platz fünf. Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Schöneberg und Prenzlauer Berg reißen es raus., An der Spitze stehen die anderen Stadtstaaten Bremen und Hamburg. So die Statistik.

Deutsche Kinder? Weit gefehlt! Bei den „echten Deutschen“, also Menschen ohne Einwanderungsgeschichte, lag der Anteil der 15- bis 24-Jährigen 2025 in Deutschland nur bei 8,5 Prozent. In der Bevölkerung mit „Migrationshintergrund“ waren es dagegen 12,2 Prozent. Das sind nach Definition Staatsbürger, die entweder selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 (!) zugewandert sind. Man staune: Selbst die Enkel sind noch „Migras“.

Das Stadtbild der „jungen“ Bundesrepublik sah einmal anders aus. Ähnlich in der DDR. Im Jahre 1983 war auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik jede sechste Person (16,7 Prozent) zwischen 15 und 24 Jahre alt. Damals waren die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer im jugendlichen Alter. Sie gehen heute in Rente.

Wir sind längst Einwanderungsland

Ohne Zuzug von „Gastarbeitern“ aus den Fünfzigern bis Siebzigern, Migranten und Flüchtlingen würde es heute in Deutschland Millionen Menschen weniger geben - die unseren Wohlstand und Renten finanzieren. Ohne Zuwanderung fehlt im Osten bis 2045 jeder fünfte Erwerbsfähige, warnt jetzt das Institut für Deutsche Wirtschaft. Sollte eine weitere Zuwanderung ausbleiben, würde die Bevölkerung in den ostdeutschen Bundesländern im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 66 Jahren bis zum Jahre 2045 um fast 22 Prozent auf etwa sechs Millionen sinken.

Alterndes Brandenburg

Brandenburg wird – auch politisch – mit der Überalterung auf dem Lande zu kämpfen haben: Der Anteil der über 65-Jährigen steigt von 26 auf knapp 30 Prozent, die Zahl der 25- bis 64-Jährigen sinkt um rund ein Sechstel. Ganz anders der Speckgürtel Berlins, der Anteil der Jüngeren verdoppelt sich. Bis 2040 werden die stärksten Zuwächse in Dahme-Spreewald (+8,8 Prozent), TeltowFläming (+8,4 Prozent) und Barnim (+6,5 Prozent) erwartet.

Am anderen Ende steht Oberspreewald-Lausitz mit einem prognostizierten Verlust von 12,9 Prozent, dicht gefolgt von Elbe-Elster (12,8) und Spree-Neiße (12,2). Die Lausitz wird also weiter schrumpfen, trotz aller Bemühungen Fachkräfte in die Region zu locken. Der Landkreis Oder-Spree wird sich in etwa halten.

Einwanderungsland Brandenburg
Die ausländische Bevölkerung in Brandenburg hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. "Der Anteil von Personen ausländischer Staatsangehörigkeit ist in Brandenburg noch  verhältnismäßig gering", hält der Zuwanderungs- und Integrationsbericht 2025 (ZIB 2025) fest. Im Jahr 2024 lebten laut Ausländerzentralregister 211.470 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Brandenburg - also 7,2 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2014 waren es noch 67.589 ausländische Staatsangehörige, was 2,6 Prozent entsprach. Zum Vergleich: Auf Bundesebene lag der Anteil im Jahre 2024 bei 14,8 Prozent.
Der Alte Fritz wäre begeistert: Auch er hatte die Märkische Streusandbüchse "kolonisiert"

Baby Boomer gehen in Rente

Ein „zweiter Ring“ mit rund 50 Städten und Gemeinden mit derzeit etwa 240.000 Einwohnern wie Fürstenwalde/Spree, Zossen und Nauen wird etwas wachsen. Hier sollen künftig auch die meisten Kinder Brandenburgs zur Welt kommen. Hier werden also die „jungen Familien“ leben.

Der Immobilienmarkt hat bereits auf seine Weise reagiert: In Erkner und Fürstenwalde steigen die Mieten am stärksten, in Zossen und Storkow die Preise für Einfamilienhäuser überdurchschnittlich. Auch wenn spekuliert wird, dass Einfamilien-Häuser der Generation sogenannten Babyboomer - also die geburtenstarken Jahrgänge Mitte der 1950er- bis Ende der 1960er-Jahre billiger werden. Sie besäßen heute jede dritte Wohnimmobilie. In den nächsten 15 bis 25 Jahre kämen sie in die Phase, wo Pflege, Umzug, Erbfälle anstehen". Es wird allerdings – bundesweit – Regionen geben, wo diese Immobilien mangels Nachfrage unverkäuflich sind. Auch in einigen Regionen Brandenburgs.

 
 

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