Die Mär vom Deutschen Volkskörper

Veröffentlicht am 21.05.2025 in Allgemein

Aus der rechten Ecke kommt immer wieder das Argument des Deutschen Volkskörpers, der vor Überfremdung geschützt werden müsste. Stellt sich also die Frage: Wer sind überhaupt unsere deutschen Vorfahren? (Recherchiert mit ChatGPT, überprüft von Hajo Guhl)

In den letzten 1500 Jahren – also seit etwa dem Jahr 500 n. Chr. – ist durch das Gebiet des heutigen Brandenburg so ziemlich alles durchgelaufen, was Beine, Pferde und Wagen hatte. Zuerst in Richtung Süden, dann wieder von Osten und Westen.

Die Behauptung ist vielleicht etwas kühn und flapsig. Doch schauen wir etwas genauer hin: Nehmen wir Teltow-Fläming. Das -ow in den Endungen von Ortsnamen erinnert an slawische Gründungen. Die Flamen kamen im Mittelalter aus dem heutigen Belgien. Franzosen brachten Taback in die Mark. Bouletten brieten in Berlin die Hugenotten. Polnische Namen erinnern an die Zuwanderung meist aus Schlesien.

 

Brandenburg und seine Besieldung: im Kontext Europas und weltweiter Ereignisse (300–1800 n. Chr.)
Zeitraum Besiedlung in Brandenburg Klimaphasen Seuchen Wichtige Wetterereignisse Globale Naturkatastrophen mit Einfluss auf das Klima
ca. 300–600 n. Chr. Völkerwanderung
Germanen ziehen ab, Slawen wandern ein
Römische Kälteperiode (ca. 250–400), dann leichte Erwärmung Justinianische Pest ab 541 ⚠️ 365 n. Chr.: Tsunami bei Kreta (nach Beben bei Kreta)
⚠️ 535/536: Vulkanausbruch (vermutlich Rabaul oder Ilopango) → globale Verdunkelung, Missernten weltweit (auch Europa betroffen)
6.–10. Jahrhundert Slawische Besiedlung Frühmittelalterliches Klimaoptimum
(600–800), danach instabiler
Justinianische Pest klingt ab Anstieg von Starkwetterlagen (Einzelflutereignisse) ⚠️ 687: Vulkanausbruch (möglicherweise Alaska oder Südostasien)
⚠️ Tsunami-Ereignisse im Mittelmeerraum (z. B. 8. Jh.)
10.–14. Jahrhundert Deutsche Ostsiedlung
(Stadtgründungen, Landesausbau)
Mittelalterliches Klimaoptimum
(950–1250): warm & trocken
1347–1353: Schwarzer Tod ⚠️ 1342: Magdalenenhochwasser
⚠️ 1362: Grote Mandränke
⚠️ 1257: Ausbruch des Samalas (Indonesien) → globale Abkühlung 1258–60, Missernten auch in Europa
⚠️ 1290er: Vulkanismus + Pest + Hungersnöte
14.–17. Jahrhundert Ende der Ostsiedlung, später Hugenottenzuwanderung Beginn der Kleinen Eiszeit
(kälter, wechselhafter)
Pestwellen (1400er, 1613, 1626–31 Typhus, Ruhr ⚠️ 1430er: Gletscherwachstum in Alpen
⚠️ 1570: Sturmfluten Nordsee
⚠️ 1648: Kälteeinbruch nach Krieg
⚠️ 1452: Ausbruch des Kuwae-Vulkans (Vanuatu) → Abkühlung, Hungersnöte
⚠️ 1600: Huaynaputina (Peru) – globale Abkühlung (z. B. Missernte 1601 in Brandenburg)
⚠️ Lisboa-Beben (Portugal) 1531 (regional begrenzt)
ca. 1700–1800 Erholung, Kolonisierung Binnenwanderung, Aufbau Ende der Kleinen Eiszeit
(leichte Erwärmung ab ca. 1730)
Cholera noch nicht flächendeckend, aber häufige lokale Epidemien ⚠️ 1770er: Missernten, Vorbeben sozialer Umbrüche ⚠️ 1755: Erdbeben und Tsunami in Lissabon – psychologische Wirkung auf Europa
⚠️ 1783: Laki-Ausbruch (Island) → Dürre, Abkühlung, Hungersnöte in Europa
⚠️ 1784–85: Winterkatastrophen in Deutschland

Wer hier nach dem „deutschen Volkskörper“ sucht, muss schon sehr tief in den Erbanlagen buddeln. Er wird allerdings "germanischen Merkmale" keine finden: Es gibt sie nicht! Im Folgenden eine Zeittafel der wichtigsten Wanderungen und den beteiligten Stämmen und Gruppen:

1. Völkerwanderungszeit (ca. 300–600 n. Chr.)

Wer wanderte: Germanische Stämme (z. B. Semnonen, Teil der Sueben, Vandalen, Burgunder, Goten)

Rückzug germanischer Bevölkerung nach Westen und Süden. Das schlechte Wetter war Schuld, das "Wirtschaftswunderland Römisches Reich" zu attraktiv.

Slawen wanderten ein!

Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reichs verließen viele germanische Stämme, die zuvor im heutigen Brandenburg lebten, das Gebiet. Sie wanderten Richtung Südwesten (etwa nach Gallien, Italien, Spanien). Ab dem 6. Jahrhundert begannen westslawische Stämme (besonders Elbslawen) aus dem Osten (heutiges Polen/Ukraine) in die nun entvölkerten Gebiete nachzuziehen.

2. Slawische Besiedlung (6.–10. Jahrhundert)

Wer kam?

Slawen: Lusitzi (Lausitzer Sorben) , Heveller (im Havelland), Stodoranen (um Brandenburg an der Havel), Redarier, Tollenser und weitere Stämme der Liutizen, Obotriten im westlichen Vorfeld

Was geschah?

Diese Gruppen besiedelten Flussauen, betrieben Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei. Sie errichteten Burgen (z. B. Brandenburg an der Havel, später slawisch "Brenna") und lebten weitgehend in Stammesverbänden ohne zentrale Staatlichkeit.

3. Deutsche Ostexpansion / Ostsiedlung (10.–14. Jahrhundert)

Der vorwiegend fränkische Adel wollte den Machtbereich ausdehnen, lockten Siedler mit Privilegien:

Deutsche Siedler (aus dem Westen des Reichs (Westfalen), oft aus Sachsen, Flandern, Thüringen)

Gruppen wie: Flamen, Friesen, Holländer (insbesondere für Trockenlegung in der Niederlausitz und Uckermark)

Was geschah:

Mit der Ostsiedlung ab dem 12. Jahrhundert im Rahmen des "hochmittelalterlichen Landesausbaus" begann die systematische Kolonisierung durch deutsche Fürsten (z. B. die Askanier). Städte wie Brandenburg, Frankfurt (Oder), und Spandau wurden gegründet oder ausgebaut. Die slawische Bevölkerung wurde teils assimiliert (ihnen wurde die Sprache verboten), teils zurückgedrängt.

4. Hugenotten wanderten ein (17. Jahrhundert)

Wer kam?

Französische (protestantische) Hugenotten

Was geschah?

Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) durch Ludwig XIV. flohen viele französische Protestanten. In Brandenburg wurden sie gezielt angeworben (Edikt von Potsdam, 1685). Über 20.000 Hugenotten siedelten sich an – vor allem in Berlin, Potsdam, Frankfurt (Oder) – und trugen zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bei.

5. Innerdeutsche Zuwanderung (18.–19. Jahrhundert)

Wer kam?

Siedler aus anderen Teilen Preußens und Deutschlands

Polnischsprachige Arbeitsmigranten (besonders aus Posen und Schlesien)

Was geschah?

Im Zuge der Industrialisierung und Landentwicklung zogen viele Deutsche aus ärmeren Gebieten bzw. ehemalige Leibeigene nach Brandenburg. Hinzu kamen zahlreiche "Ruhrpolen", vor allem ins östliche Brandenburg, als Saisonarbeiter oder Bergleute. Berlin wuchs zur größten Industrieansieldung Europas heran.

6. Umsiedlungen und Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1950)

Wer kam?

Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten, wie Schlesien, Ostpreußen, Pommern und Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei zogen nach dem verlorenen Krieg gen Westen. Darunter auch Zwangsumgesiedelte aus Polen (z. B. aus dem "polnischen Korridor")

Was geschah?

Nach Kriegsende flohen oder wurden Millionen Deutsche aus dem Osten vertrieben. In Brandenburg wurden Hunderttausende angesiedelt – oft in ländlichen Gebieten oder am Rand von Städten. Dies führte zu sozialen Spannungen, aber auch zur Wiederbesiedlung vieler Gebiete.

7. Zuwanderung innerhalb der DDR (1949–1990)

Was geschah?

Arbeiter zogen aus anderen Teilen der DDR nach Stalinstadt (Eisenhüttenstadt) oder Schwedt

Vertragsarbeiter kamen aus Vietnam, Mosambik, Angola, Polen, Kuba

Entwicklung:

Die DDR führte gezielte Programme zur Anwerbung von Arbeitskräften. Diese lebten oft in Wohnheimen, mit eingeschränkten Rechten. In Brandenburg waren sie z. B. in der Landwirtschaft oder in der Industrie beschäftigt.

8. Migration nach der Wiedervereinigung (1990–heute)

Rückkehrer aus dem Westen

Aussiedler (z. B. Russlanddeutsche)

Asylsuchende und Geflüchtete, besonders:

aus Ex-Jugoslawien (1990er)

aus Syrien, Afghanistan, Irak (2015 ff.)

Arbeitsmigration aus der EU-Ost-Erweiterung (z. B. Polen, Rumänien)

Entwicklung:

Nach 1990 kam es zunächst zu Abwanderung aus Brandenburg in westdeutsche Regionen. Vor allem Jüngere und Frauen verließen fluchtartig das Land. Ab den 2000er Jahren gab es wieder eine Zuwanderung. Brandenburg nahm und nimmt bis heute (zum Teil widerwillig) Geflüchtete auf.

 
 

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