Israel-Besuch: Mehr Fragen als Antworten

Veröffentlicht am 06.06.2018 in Jugend

Darf bei keinem Besuch in Israel fehlen: Grabeskirche in Jerusalem

Brandenburger Jungsozialisten haben eine Reise nach Israel gemacht. Die Reise wurde von den Jusos Berlin und Brandenburg über das Willy Brandt Center organisiert. Maria Kampermann, die frisch gebackene Juso-Vorsitzende des Landkreises Oder-Spree, schildert ihre Eindrücke (Text & Fotos). Abseits aller Verstrickungen von Geschichte, Gewalt, Glauben, viel Polemik aber auch offizieller Politik. Dennoch mittendrin.

  • Vielseitig, Konflikt geladen und naja, irgendwie exotisch. Hätte man mich vor Beginn unserer Reise nach einer Beschreibung Israels in drei Worten gefragt, wäre das wahrscheinlich meine Antwort gewesen.

  • Jetzt, nach einer Woche vor Ort und einiger Bedenkzeit würde mir wahrscheinlich eins reichen: überwältigend. Das mag geschwollen klingen und doch fällt mir nichts Passenderes ein.

  • Die Reise in das ca. vier Flugstunden entfernte Land trat ich recht unvorbereitet an, trotz einiger Vorbereitungsseminare.

  • Dort sprachen wir viel über Religionen, den Nahostkonflikt und die Lage der Palästinenser*innen und doch hatte ich das Gefühl, nicht mal ansatzweise eine Idee von der Situation in Israel und damit auch im Nahen Osten zu haben. Wie recht ich doch hatte. Der Reihe nach.

Haifa

Wir beginnen unsere Reise in New York. Zumindest könnte man das glauben, sieht doch das Hauptgebäude der Universität Haifa, der Eschkol Tower, dem UN Hauptquartier zum Verwechseln ähnlich. Und er liefert eine ähnlich gute Aussicht.

Wir als Delegation bekommen diesen Anblick kostenlos, doch wie wir erfahren, müssen israelische Student*innen für ihre Anwesenheit auf diesem Campus einiges auf den Tisch legen. Für ein Bachelorstudium können schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen, jeder Kurs kostet extra. Mal in einer anderen Vorlesung lauschen, oder im Seminar statt über Marktwirtschaft mal über Marx diskutieren? Schon aus finanzieller Sicht ist das nicht drin und wohl auch nicht erwünscht. Ein schneller Abschluss ist das erklärte Ziel, ein Blick über den fachlichen Tellerrand tritt dahinter weit zurück.

Haifa sieht sich selbst gerne als das "Silicon Valley Israels" und es ist eine moderne Stadt, keine Frage. Dass dieser Vergleich dennoch etwas hinkt, lassen spätestens die gelblichen Rauchschwaden erkennen, die sich von den Fabriken im Hafen über die ganze Stadt erstrecken. Haifa ist eine Stadt im Wandel. Dennoch wird ihr das Image der dreckigen Industriestadt sicher noch eine Weile anhaften.

Einen Hauch grün zwischen all der Moderne und Industrie liefern die Hängenden Gärten. Der Garten inklusive grandiosem Ausblick ist offen für jeden, doch dass sich darin ein religiöses Zentrum befindet, das wissen nur wenige. Dabei ist die Bahai-Religion jeder und jedem zugänglich, ein paar Klicks auf der Internetseite genügen.

Einzige Voraussetzung: Man darf kein Israeli sein. Man möchte nicht noch mehr religiöse Konflikte in der Region schüren/ entfachen. Vielleicht gar keine schlechte Idee, denn wenn es eines gibt, womit wir uns in dieser Woche beschäftigen, dann sind es Konflikte.

Tel Aviv

Bin ich hier in Tel Aviv oder Miami? So ganz sicher bin ich mir nicht, als ich durch die Hochhausschluchten laufe. Der gleiche graue Beton, die gleiche Hitze, die gleichen riesigen Fensterfronten, hinter denen sich wahrscheinlich auch die gleichen im Dauerbetrieb laufenden Klimaanlagen befinden. Tatsächlich kann ich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede erkennen/ festmachen.

Doch Tel Aviv kann auch anders, wie die Altstadt von Jaffa zeigt. Statt Hochhausschluchten findet man hier kleine, verwinkelte Gassen vor und nur die Blumentöpfe und Briefkästen an den Wänden erinnern daran, dass man sich hier nicht in einem großen Freiluftmuseum befindet. Lichterketten hängen über den Straßen, ein leichter Wind weht vom Wind her durch die Straßen, deren Seiten von kleinen Geschäften geziert werden.

Obwohl auch dieser Stadtteil sich der Invasion westlicher Fastfoodketten nicht komplett verwehren konnte, hat sich Jaffa seinen Charme dennoch erhalten.

Was ich allerdings auch bemerke: Gentrifizierung scheint nicht nur im Prenzlauer Berg in Berlin ein Problem zu sein. Denn die Händler, die früher aus den kleinen Buden heraus Obst und Gemüse verkauft haben, sind fast alle verschwunden und den hippen Cafés und Restaurants und Cafés gewichen. Automatisch frage ich mich, ob die vielen jungen Leute, die hier gemütlich ihren Chai Latte trinken sich die Mieten überhaupt noch leisten können.

Tel Aviv ist eine Stadt im Wandel, eine Stadt die sich entwickelt und bewegt. Wohin diese Entwicklung führt, das wird die Zukunft zeigen.

Jerusalem

Rums! Wieder landet ein Rucksack in meinem Gesicht und reißt mir fast die Sonnenbrille runter, zum gefühlt tausendsten Mal heute. Menschenmengen drängen sich energisch an uns vorbei, nur um wenige Meter weiter vorn wieder stehen zu bleiben und das zehnte Selfie zu schießen. Als genug Erinnerungsfotos gemacht sind, wendet sich die Gruppe den zahlreichen Geschäften entlang der Gasse zu.

Wir befinden uns auf der Via Dolorosa, jenem Weg, den Jesu einst auf dem Weg zu seiner Kreuzigung zurückgelegt haben soll. Die Geschäfte haben sich der Lokalität angepasst und verkaufen neben den obligatorischen Plastikschlüsselanhängern auch Gebetsketten und Kreuze in allen Farben und Ausführungen, die sie zu meinem Erstaunen in kürzester Zeit unter die Leute bringen. Ich weiß nicht, ob ich geschockt oder beeindruckt sein soll, wie sehr man Religion kommerzialisieren kann.

Lange Zeit bleibt nicht, um die Szenen entlang der Seite zu beobachten, denn schon werden wir weiter die enge Gasse entlang gedrängt.

In der Grabeskirche am Ende des Weges geht der Selfiewahn direkt weiter und macht selbst vor dem Kreuzigungsstein nicht Halt. Es wird sich in lange Schlangen eingereiht, um unter einen Altar zu kriechen, unter dem sich besagter Stein befinden soll. Und schwupps! Ist der Selfiearm wieder draußen! Während der Kopf noch immer unter dem Altar steckt, versuchen ein paar Finger hektisch, die Situation innerhalb einer Millisekunde fotografisch festzuhalten. Wäre ich nicht so perplex über diese obskure Situation, würde ich wahrscheinlich laut loslachen. Ein Stück weiter unten werden die soeben erworbenen Souvenirs Made in China auf den Salbungsstein geklatscht. „To get in touch with the holy spirit“ wie uns unser Guide erklärt.

Das hat alles irgendwie so gar nichts mit dem andächtigen Ort des Christentums zu tun, wie ich ihn mir vorgestellt hatte.

Eindrücke, die bleiben

Generell war Israel in vielen Dingen ganz anders als erwartet. Mal betrüblich, mal beängstigend, mal bunt und laut und mal ganz ruhig.

Innerhalb einer einzigen Woche haben wir weit mehr gesehen und erlebt, als die üblichen Touristenattraktionen. Wir haben in Hebron erlebt, wie beängstigend und bedrückend eine verlassene Stadt sein kann und wie viele Menschen unter dem andauernden Konflikt in der Region leiden.

Gleichzeitig haben wir gesehen, wie leicht es einem die Strände und funkelnden Lichter von Tel Aviv machen können, alle Gedanken und Konflikte zu verdrängen. Wir haben Museen besucht und mit Menschen verschiedenster Herkunft gesprochen, haben versucht, zu verstehen, was in diesem Land vor sich geht, wie man die Konflikte lösen kann.

Wir sind gescheitert. Doch ich glaube, das ist auch gar nicht schlimm. Ich komme mit so vielen neuen Fragen von dieser Reise zurück, dass ich gar nichts dabei finde, nicht auf alles eine Antwort bekommen zu haben. (Hätten Politik, Religionen irgendwelche Antworten gefunden, wäre diese Region heute nicht das Pulverfass im Nahen Osten. Die Red.)

 
 

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