Kaufkraft und Preisspiegel! Ist der Osten nun abgehängt?

Veröffentlicht am 01.12.2024 in Wirtschaft

Alle Jahre wieder stellt das Institut für Wirtschaft (IW) seinen Kaufkraft-Spiegel vor. Wer nun wissen will, wo er sich am meisten leisten könnte, ob seine Region wieder mal zurückbleibt, wird ratlos bleiben. Die Statistik schert nämlich alles über einen Kamm und verrät nur Durchschnittliches. Das Ranking sagt nichts über die individuelle Wohlstandslage aus, noch weniger über die Gefühlte. Dennoch lohnt ein Blick hinein in die Excel-Tabelle und beginnen wir mit den (scheinbaren) Kuriositäten. Da lebt es sich in Frankfurt/Oder besser als in  Frankfurt am Main. Stimmt übrigens: Wer gut verdient, wohnt nämlich im nahen Taunus mit Blick auf den Main. Potsdam, das Wohlstandsaushänge-Schild der Mark Brandenburg gastiert im unteren Drittel. Die Mieten sind hoch...

Wieso kommt dieses Zerrbild zustande. Schließlich ist Frankfurt/Main die gesamtdeutsche Finanzmetropole und Potsdam ist Boomtown am Rande Berlins. Es ist die Kaufkraft. Im Landkreis Starnberg muss der Bewohner durchschnittlich 113 Euro ausgeben, Im Landkreis Oder Spree nur 97 Euro.  Zum Vergleich Potsdam 107,5 Euro und Berlin 106,4 Euro. Es sind die Mieten in den Metropolen oder den Wohlstandrefugien dieses unseren Landes, die die fixen Ausgaben der Haushalte nach oben treiben. Die nicht nur gefühlt teure Hansestadt Hamburg oder eben München machen Einkommensvorteile zunichte, insgesamt arm bleiben die Menschen dagegen in Gelsenkirchen oder Offenbach.

Der Landkreis Oder-Spree liegt nun auf Platz 294 des Ranking von 401 Landkreisen und Kreisfreien Städten. Im Mittelfeld der Republik, wie viele Städte und Gemeinden im Osten. Und: Wer hier wohnt und ein Häuschen sein Eigen nennt, lebt bei einem Durchschnittseinkommen deutlich besser als sein Arbeitskollege mit etwas mehr in einer Mietwohnung. Was nicht zu vergessen ist: Ein Großkonzern zahlt seinen Mitarbeitern deutlich mehr als ein Handwerksbetrieb.

Die Wirtschaft der ostdeutschen Länder liegt im oberen Drittel aller europäischen Staaten, hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kürzlich festgestellt. Fest steht: Die Wirtschaft in Ostdeutschland hat sich sehr gut entwickelt.

Was sagen die Statistiker des IW dazu: Im Landkreis Starnberg in Bayern können sich die Menschen am meisten leisten. Obwohl das Leben hier um fast 14 Prozent teurer ist als im Bundesschnitt, ist die Kaufkraft – also das preisbereinigte Einkommen – mit gut 35.000 Euro hier am höchsten. Das ist fast doppelt so viel wie in Offenbach, dem Schlusslicht des Rankings. Hier erreichen die Menschen ein preisbereinigtes Einkommen von rund 19.000 Euro.

Was sagt uns die Statistik nun real: Wir müssen vorsichtig sein mit schnellen Urteilen über Ost-West-Gefälle und (gefühlter) Lebensqualität. Vor allem im kommende Wahlkampf...

 
 

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Jörg Vogelsänger

Wahlkreis 31: Märkisch-Oderland I/ Oder-Spree IV

Ludwig Scheetz

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