Die Vereinigten Staaten werden im Faschismus enden! Die Jagd auf Migranten erfolge mit faschistoiden Hilfstruppen (ICE). Donald Trump sei ein Faschist. Er richte ein autoritären System ein. Er unterdrücke Minderheiten. Er erpresse die freien Medien, wenn ihm etwas nicht passt. Er vergrößere sein Herrschaftsgebiet mit Gewalt und Erpressung. Was ist dran an den Analysen, Beobachtungen und Vorwürfen, Trump Richtung gehe in Richtung eben jenes Faschismus, in dem einst Deutschland versank und Europa (fast) in den Abgrund riss? Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Von Hajo Guhl
Blicken wir zehn Jahre zurück in das Jahr 2016. Die Deutschen schienen ihre Lektion gelernt zu haben. Zählten ebenfalls zu den guten Demokraten zumindest von Westeuropa. Die USA waren der große Bruder, der seine Interessen gelegentlich auch mit Anwendung von Gewalt durchsetzte. Aber die Gründerväter hatten vor heute 250 Jahre als 1776 die Vereinigten Staaten gegründet, auf der Basis von europäischen Staatsdenkern, die die Monarchie durch eine Demokratie ablösen wollten.
Die Realität des Jahres 2026 sieht anders aus. Wir müssen zuschauen, wie sich das Urgestein dieser Demokratie auflöst und in Richtung Faschismus marschiert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nun gab es in den USA lange den Begriff des „freundlichen Faschismus“. Sein Motto, unbedingte Loyalität: „Gehorchst Du, geht es Dir gut! Aber wir können auch anders.“ (Diese Praxis dürfte den Älteren unter uns noch bekannt sein. Man durfte einfach nicht versuchen, über die Mauer zu klettern).
Ungeklärt ist immer allerdings die Frage, was Faschismus überhaupt ist. Wo beginnt er überhaupt? Wann kann man von einem faschistischem System sprechen? ChatGPT antwortet darauf: „Faschismus“ ist in der Forschung keine Checkliste mit einem einzigen, überall akzeptierten Kriterium. Es wird meist als ein Bündel von Merkmalen verstanden: Dazu gehören eine Ideologie, die Form einer Bewegung wie dem deutschen Nationalsozialismus oder der spanische Falange oder der Diktatur eines Benito Mussolini und schließlich die Ausübung einer autoritären Herrschaft.
Faschistisches Minimum
Politikwissenschaftler fassen den Anspruch einer faschistischen Ideologie wie folgt zusammen: Eine „dekadente“ Gegenwart müsse durch revolutionäre Erneuerung überwunden werden. Eine nationale Wiedergeburt mit einem ultra-nationalen Patriotismus könne nur dann erfolgen. Ein autoritäres Regime sei Grundlage.
Das Recht des Einzelnen verschwindet
Die Geschichte des Faschismus zeigt: Er kennt viele Facetten und Formen, aber es gibt einige Gemeinsamkeiten.
- Führerprinzip: Jede Opposition wird zu „Volksfeinden“ erklärt.
- Sehnsucht nach Einheit: Die „Altparteien“ und alle Vertreter des „alten Regimes“ sind korrupt, haben nie die Interessen des Volkes vertreten.
- Akzeptanz/Verherrlichung von Gewalt: Es reinigt, als politisches unbedingt Mittel notwendig
- Das Volk wurde betrogen, von wem auch immer. Von außen und von innen.
- Verschwörungstheorien beherrschen das System. Sündenböcke werden gesucht und gefunden. Feinde sind „korrupt“, wir müssen uns wehren.
- Das Recht des Einzelnen gilt nicht mehr. Das Volk (z.B. des Führers) steht über den Individuen und ihren (nicht mehr verbrieften) Rechten.
Nachtrag: Die Liste der Kriterien muss unvollständig bleiben, sie eignet sich auch nicht als "Checkliste" Faschismus ist keine eindeutige geschlossene Ideologie. Zueigen ist ist dem Faschismus jede Menge Pathos mit fast religiösem Habitus. Doch das täuscht! Es geht vielmehr um den Machtanspruch einer "faschistischen Elite", die sich auf Kosten des Volkes bereichert.