100 Jahre Jroß-Berlin: Wat haste Dir verändert! Wo willste bloß hin?

Veröffentlicht am 01.10.2020 in Allgemein

Abgesehen von ein paar eingefleischten Spandauern gelten die heutigen Grenzen der Großstadt Berlin als unantastbar. Dabei entstand erst im Jahre 1920 mit rund vier Millionen Einwohnern die damals drittgrößte Metropole der Welt quasi über Nacht: Groß Berlin. Zulasten von Brandenburg. (Foto: gu)

Heute steht die Metropolregion Berlin mit ihren 3,7 Millionen Einwohnern und den rund 800.000 Menschen im Speckgürtel allenfalls im Mittelfeld der globalen Megacities. Gegen Tokio mit 36 Mio. oder Mexiko-Stadt samt Umland (21 Mio.), Lagos mit 14 Mio. könnte man die deutsche Hauptstadt schon beschaulich nennen. Selbst die ineinander fließende Rhein-Ruhr-Metropole hat mit 12 Mio. Bürgern Berlin abgehängt.

Dennoch: Das geteilte Berlin hat sich nach der Wende ziemlich schnell berappelt (arm aber sexy und schnoddrig wie immer), ist in den letzten Jahren um 250.000 Neueinwohner überraschend schnell gewachsen. Und bekommt nach den Pannen am 31. Oktober auch den ersehnten Flughafen BER. (Jetzt hört auf zu maulen und zu jammern. Münchens Flughafen hat 20 Jahre gedauert, die Kosten der Erbphilharmonie in Hamburg wollen wir nicht weiter vertiefen.) Auch das Stadtschloss steht wieder.

Die Großstadt Berlin wird weiter wachsen. Dafür gibt es nun den Landesentwicklungsplan für Berlin und Brandenburg. Die Vorstellungen werden diskutiert und wie so häufig von der tatsächlichen Entwicklung überrollt. Denn Städte sind vor allem für junge Menschen attraktiver als das flache Land. Obwohl Landleben durchaus Vorteile hat.

Vor 100 Jahren, kurz nach Ende des 1. Weltkrieges und am Ende der berüchtigten „Spanischen Grippe“ (die mit bis zu 50 Mio Toten eigentlich eine US-Amerikanische war) wurde nun Groß-Berlin gegründet – durch Eingemeindungen aus Brandenburg. Arme Spandauer! Das entsprechende Gesetz trat in der jungen Weimarer Republik am 1. Oktober 1920 in Kraft. Wie die Elektrifizierung der S-Bahn war das Vorhaben im Kaiserreich auf begreiflichen Gründen liegen geblieben. (Wobei die vier Jahre Gewalt und Vernichtung auf den Schlachtfeldern Europas mit gebührendem Abstand immer weniger zu verstehen sind.)

Das Berliner Abgeordnetenhaus von 2020 erinnert nun in einem Festakt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigt die Entwicklung der gemeinsamen Region:

„Die Gründung Groß-Berlins war für das damalige Brandenburg sicher erst einmal schmerzhaft. Denn Brandenburg verlor durch die Eingemeindung von Orten wie Köpenick, Spandau oder Neukölln zahlreiche Gemeinden und gut 40 Prozent seiner Bevölkerung. Berlin wurde dadurch zu einer Weltmetropole und zur weltweit drittgrößten Stadt nach New York und London – und zugleich zur größten Stadt der Mark Brandenburg.

Heute schauen wir auf eine erfolgreiche Hauptstadtregion. Gemeinsam haben wir uns zu einer der dynamischsten Regionen in Deutschland und Europa entwickelt. Und wir werden zusammen alles dafür tun, dass diese gute Entwicklung weitergeht. Berlin und Brandenburg prägen sich gegenseitig stark. Ich bin überzeugt: Die Verflechtung unserer Länder wird noch enger werden. Die Potenziale, die darin liegen, werden wir nutzen, um die Hauptstadtregion zukunftsfähig zu machen.

Von ihrer Strahlkraft werden auch die ländlichen Regionen profitieren. Um Wirtschaftsentwicklung, Wissenschaft, Mobilität und den Wohnungsmarkt noch besser zu koordinieren, erarbeiten wir derzeit zusammen einen strategischen Gesamtrahmen. Nur, wenn wir gemeinsam die gesamte Hauptstadtregion im Blick haben, kommen wir weiter gut voran. Am wichtigsten in diesem Prozess sind die Menschen. Wenn wir alle verinnerlichen, was wir voneinander haben, werden wir zusammen erfolgreich sein. Ich bin überzeugt, dass eine enge Zusammenarbeit auf allen Ebenen für die Menschen in unserer Region der Schlüssel zum Erfolg ist.“

 
 

Frank Steffen

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