Da war doch was! Bewegende Sechziger!

Veröffentlicht am 13.08.2018 in Allgemein

Heute ist der 13. August 2018. Vor 57 Jahren gab Walter Ulbricht die Weisung in Berlin eine Mauer zu bauen. Kurz zuvor hatte er sich noch verplappert: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.“ Apparatschik Erich Honecker war der Erfüllungsgehilfe. Inzwischen ist viel passiert. Hajo Guhl blickt durch die Jahrzehnte zurück...

Im Westen Berlins saß im Schöneberger Rathaus ein Regierender Bürgermeister Willy Brandt, ratlos und allein gelassen. Bundeskanzler Konrad Adenauer ließ sich viel Zeit, die geteilte Stadt zu besuchen.

Sieben Jahre später, vor 50 Jahren also 1968 erlebte Prag seinen Frühling. Ein schüchterner fast unscheinbarer Funktionär namens Alexander Dubček wollte für die Tschechen und Slowaken zwischen Prag und Brünn einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“.

Panzer des Großen Bruders und Freunden walzten am 21. August 1968 den Aufstand nieder. Der Schock saß tief. Was blieb, war der Wunsch nach Freiheit ohne das alles überwachende Auge der Partei.

Im selben Jahr ging auch die Jugend des Westens auf die Barrikaden. Junge Amerikaner wollten nicht in einem Krieg in einem fernen Land namens Vietnam verheizt werden, der außer Toten und entlaubtem Urwald keinem etwas brachte.

Die (west)deutsche Linke an den Universitäten fragte ihre Eltern: „Was habt ihr eigentlich zwischen 1933 und 1945 gemacht?“ Die Antworten blieben bis auf wenige Ausnahmen aus. Auf den Straßen war eher zu hören: „Unter Adolf wär das nicht passiert. Geh erst einmal zum Frisör, Du langhaariger Lauser!“

Die Aufarbeitung ist etwas verkürzt, stimmt aber von der Richtung her.

Änderungen, Erschütterungen, Umwälzungen und sogar Revolutionen gehören zur menschlichen Gesellschaft. Die verschiedenen Stationen der (europäischen) Geschichte sind bekannt.

Zu den positiven Ergebnissen gehören: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Gleichberechtigung der Geschlechter. Emanzipation von Minderheiten. Soziale Gerechtigkeit und Absicherung bei Krankheit und Alter. Gute Ausbildung und Aufstiegschancen. Teilhabe am Wohlstand. Anspruch auf ein friedliches Leben für alle! Die Liste kann variieren und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alles Kernkompetenzen der Sozialdemokratie.

Da sitzt nun ein alternder National-Konservativer Polit-Star und Ex-Funktionär einer christlichen Partei und gesteht den Bankrott seiner Bewegung einfach so nebenbei: Seine Partei sei jung und hätte auf viele Fragen einfach noch keine Programme!

Der Mann der im Brandenburger Landtag als Alterspräsident bei der Eröffnungsrede so wunderbar den Soziologen Max Weber zitieren konnte, kann keine Antwort geben, wenn es darum geht, etwas besser zu machen als die sogenannten „Altparteien“ (gemeint sind: CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke) Du Bildungsbürger und angeblicher Feingeist, das hatten wir schon mal. Und zwar in braun! Die Farbe solltest Du ja kennen, in Deinem blau getünchten Verein!

Zum Schluss noch etwas Versöhnliches: Gestern Abend endeten die Europameisterschaften der Leichtathletik. Vier junge Frauen aus Deutschland gewannen noch einmal Bronze in der 4x100Meter-Staffel. Fröhliche Mädels. Sie sind für unser Land angetreten. Wie auch alle anderen Athleten, die Medaillen errangen oder darum kämpften.

Das waren nicht Deine Deutschen? Ja, 1936 hatte ooch eener furchtbare Schwierigkeiten, einem Sportler mit einer anderen Farbe oder Religion die Hand zu geben. Dafür hat er anschließend die Welt in Schutt und Asche jelegt. Das wird man ja noch sagen dürfen!

 
 

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14.01.2019 17:56 Europa: Beschlusspapier Klausur der SPD-Bundestagsfraktion am 10./11. Januar 2019
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