Brandenburg: Neue Wege zum Trinkwasser

Veröffentlicht am 25.01.2023 in Umwelt

Wasser wird bei uns knapp. Die Grundwasserspiegel sinken seit Jahren. Ebenso die durchschnittlichen Regenmengen pro Jahr. Wir haben aber auch weitere Probleme: Die Altlasten aus über 150 Jahren Industrialisierung nicht nur in Brandenburg und einen Weltkrieg mit seiner enormen Bombenlasten, die heute noch in unserem Boden schlummert.

Brandenburg ist eine alte Industrie-Region. Teerwerke, Kokereien, Farbenfabriken, Bakelit-Hersteller, Pharmazeutische Unternehmen hinterließen ihre chemische Hinterlassenschaft im Untergrund. Unwissentlich und geplant sowie bei den zahlreichen Unfällen damals. Das ist kein Urteil über unsere Vorfahren. Sondern eine Bestandsaufnahme. Eine Debatte über vergangenes Umweltbewusstsein steht uns hier nicht zu. Von Jörg Vogelsänger/gu

Leben mit Altlasten

Wie müssen heute mit massiven Altlasten leben. Und unsere Industriebetriebe sind Grundlage unseres Wohlstandes und sollen es auch bleiben. Deshalb kämpfen viele für den Standort Schwedt. Mit den heutigen Standards ist das auch umweltgerecht machbar.

Das Thema Wasser hat für jede Gesellschaft oberste Priorität. Sauberes Trinkwasser ist Grundlage unseres Lebens, daran hängt die Existenz jedes einzelnen sowie der gesamten Wirtschaft. Sauberes Trinkwasser zu annehmbaren Preisen ist ein Gradmesser der Zivilisation. Das dürfen wir nicht vergessen.

Die Stadt Erkner im Osten Brandenburg steht hier stellvertretend für die aktuelle Wassersituation. Man könnte auch Oranienburg mit seiner Pharmablase, einem Cocktail aus aromatischen Kohlenwasserstoffen (Benzol, Toluol, Ethybenzol und  Xylole) sowie Schwefelwasserstoff nehmen. Die Chemieblase von Erkner mit ihren phenolhaltigen Stoffen bedrohen ebenso wertvolles Grundwasser. Diese Chemikalien werden übrigens kontrolliert, wie auch die Hinterlassenschaft von Oranienburg seit rund 30 Jahren systematisch abgepumpt.

Grundsätzliches zum Thema Wasser

Der Grundwasserspiegel im Raum Ostbrandenburg sinkt seit Jahren und erschwert die Produktion von Trink- und Industriewasser. Familien aus nah und fern ziehen in die Region, denn hier gibt es moderne Arbeitsplätze, gute Ausbildungsstätten sowie ausreichend Wohnraum (noch). Eine Folge: Der Wasserverbrauch steigt!

Wir müssen neue Wege gehen. Hier sind neue Erkundungen, beispielsweise wie in Hangelsberg, im Berliner Urstromtal notwendig. Ich begrüße, dass durch besonderen Handlungsdruck das Land Brandenburg hier aktiv ist.

Viele Städte wie Paris oder München verfügen seit vielen Jahrzehnten über zuverlässige Fernleitungen. Vielfach ist das auch in deutschen Regionen eine Selbstverständlichkeit. Landrat Gernot Schmidt (MOL) hat recht. Warum denn nicht bei uns? Doch es gibt keine einfachen Lösungen, keine genialen und vor allem keine, die nichts kosten.

Forderung nach Totalsanierung

Es ist richtig beschrieben, das Verseuchen der Böden in Erkner reicht weit zurück bis ins 19. Jahrhundert. Die Produktion von Teer machte nur den Anfang. Auf der giftigen Hinterlassenschaft im (abgekapselten) Erdreich stehen heute der Bahnhof, die Stadthalle, Wohnhäuser, ein Einkaufszentrum und Verkehrstrassen. Und der RE-1 fährt darüber. Das ist Realität.

Ein Bodenaustausch, wie gefordert, wäre die radikale Lösung

  • Niemand bestreitet den Handlungsbedarf. Seit rund 30 Jahren wird mit einem Millionen-Aufwand giftige Hinterlassenschaft der Chemie aus dieser Blase abgepumpt. Mit Erfolg!

  • Totalsanierungen sind teuer! Solche Aktionen sind nie frei von technischen Risiken. Alles wäre Sondermüll, der deponiert werden müsste. Wohin damit? Und Brandenburg: Jede Menge Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg warten auf Entschärfung und Räumung. Auch das kostet.

 
 

Frank Steffen

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