Zwei Jahre Putins Krieg: Ein Bild zum Grauen

Veröffentlicht am 24.02.2024 in Kultur

Das Grauen des Krieges wurde noch nie so schnell in Form von Fotos und Videos verarbeitet und um die Welt geschickt wie heute. Es sind aktuell die Ruinen der ukrainischen Wohnviertel, die zerfetzten Leiber russischer Soldaten von der Front. Sinkende Schiffe, abstürzende Flugzeuge. Gelegentlich mit Propaganda und Marschmusik im Rap unterlegt.

Die dramatischen Aufnahmen, bewegt unscharf, verwackelt, aus der Luft, knapp über der Wasserlinie. Also Reportage in festen oder bewegten Bildern. Sie kommen beim Betrachter der Ereignisse kaum noch an. Wir sind abgestumpfte Konsumenten von Ereignissen.

Aus diesem Grunde seht ihr heute ein Bild aus der Werkstatt meiner Frau. Nori Kouzeli malt, liefert aber keine (politische oder moralisierende) Botschaft. Für sie sind ihre Werke Dekoration. Die Devise: Mag jeder sehen, was er will.

Das tue ich. Aber es ist auch das wann! Das Bild habe ich mir im Halbdunkel am Tag des 2. Jahrestages des Überfalls eines Wladimir Putin mit der russischen Armee auf die freie selbst bestimmte Republik Ukraine angeschaut. In dieser Situation steht das Bild für das brennende Land im Hagel von Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Ein Wohnviertel brennt, im Dunkel des nächtlichen Entsetzens verhüllt. (Nachtrag: In den Achtzigern ein sowjetischer Zar vom Schlage eines W. Putin im Kreml anstelle eines  Michail Gorbatschow? Die Welt sähe heute anders aus.)

Dennoch, das Bild hängt in meinem Wohnzimmer und bleibt auch dort. Im Hell des Tages sieht es deutlich freundlicher aus.

Was Krieg nicht tut! Er graut auch am Morgen, in der Mittagssonne und im Abendrot! Krieg ist überflüssig und beginnt immer wieder.

Wir in Deutschland, Nord- und Mitteleuropa, Italien und Spanien, Portugal leben quasi auf einer Insel der Glückseligen. Seit dem Ende der 2. Weltkrieges sind bei uns keine Truppen aufmarschiert, haben Städte zerbombt, Zivilisten umgebracht, sich gegenseitig zerfleischt. Meine Generation hat Krieg nicht erlebt, dafür bin ich dankbar und auch etwas demütig. (Nachtrag: Wir liefern Waffen, kämpfen und sterben nicht an der Front. Indirekt sind wir beteiligt.)

Die Liste der Kriege seit 1945 ist lang. Die Konflikte um Ethnien, Ideologien, Machtansprüche, Religionen und Rohstoffe immer heftiger. Oder blanker Mordlust. Die Liste er Opfer immer länger.

Mein Bild an der Wand lässt sich beliebig betrachten. Mal düster mal freundlich. In der realen Welt geht das leider nicht. Das wäre Negieren von Realität.

So sei an dieser Stelle gewarnt vor falschen Friedensvorstellungen und dem unbedingten diplomatischen Weg. „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“, hat der große General und Militärtheoretiker Carl von Clausewitz im 19. Jahrhundert konstatiert. Die Rückkehr aus dem Krieg an den Verhandlungstisch setzt den Willen aller Kontrahenten voraus. Appeasement-Politik – also Beschwichtigung um jeden Preis hat noch nie funktioniert! (Nachtrag: Wie legitim ist der Mord an einem Tyrannen? Wann hat er sein Leben verwirkt? Der Mord an dem geflohenen russischen Hubschrauber-Piloten in Spanien drängt diese antike philosophische Frage auf!!)i

Für was ein Bild alles herhalten muss! Mein Deutschlehrer wäre begeistert, was er sonst von mir nicht war. Ich übrigens auch nicht. Das Werk habe ich meiner kleinen Frau aus ihrem Fundus entrissen. Sie wollte es als Hintergrund verwenden. Ich fand das Abstrakte hintergründig genug. So rettete ich die Leinwand samt Gespachteltem. Es kommentierte Hajo Guhl

 
 

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